– Jüdischer Friedhof Deutsch-Wagram

Jüdischer Friedhof
Manfred Gross
Anfang der 1870er Jahre kaufte der in Deutsch-Wagram ansässige jüdische Kaufmann
Gottlieb Grünwald ein Feld in der heutigen Fabrikstraße und ließ darauf einen Friedhof
errichten, um die verstorbenen Juden im Ort begraben zu können. Der Friedhof umfasste
rund 80 Gräber, bis ihn die Behörden aus sanitären Gründen schließen lassen mussten,
vermutlich Ende 1909. Der Publizist und Politiker Joseph Samuel Bloch, einer der
profiliertesten Streiter im Kampf gegen den zunehmenden Antisemitismus in
Österreich-Ungarn, rief daraufhin in seiner „Österreichischen Wochenschrift“ (Nr. 46, S. 757)
zur Erhaltung des Friedhofs auf, doch vergebens.
Zwei Mal, am 17. Dezember 1915 und am 4. März 1929, stellte die israelitische Kultusgemeinde
den Antrag, den Friedhof wieder nutzen zu können. Doch da der Friedhof an drei Seiten an
das Betriebsgelände der Ersten Eisenbahnwagonleihanstalt angrenzte, waren die Behörden
der Ansicht, dass Trauergäste gefährdet und durch den Arbeitslärm gestört würden, und lehnten den Antrag ab.
Bald nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 zerstörten
Nationalsozialisten den Jüdischen Friedhof in Deutsch-Wagram. Grabsteine, die sie
in umliegenden Feldern vergruben, wurden teilweise erst in den 1980er bzw. 1990er Jahren gefunden.
Gedenkstein zur Erinnerung an die Zerstörung des Jüdischen Friedhofs im Jahr 1938
links: Grabstein von Julia Steiner, verstorben am 1. Juli 1879
rechts: Grabstein mit folgender, nicht vollständig lesbarer Inschrift:
"Hier liegt begraben die liebe und bescheidene Frau des Yzi... ...Yeduscheck ...
faklieses die ihren geraden Weg ging und im guten Ruf starb.
Sie wurde begraben am Mittwoch, 22 Adar (März) im Jahre ...  
Ihre Seele soll mit den Lebenden vereint bleiben."

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